Euroguss, Nürnberg
Internationale Fachmesse für Druckguss: Technik, Prozesse, Produkte
13. bis 15. Januar
www.euroguss.de
Bild: Ralf Schumacher
Ralf Schumacher blickt auf die letzten zehn Jahre additive Fertigung zurück und spricht über technologische Meilensteine und aktuelle Herausforderungen.
Ralf Schumacher, die additive Fertigung hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten – manche sprechen von einer industriellen Revolution, andere sehen viele Ankündigungen kritisch. Wie ordnen Sie die aktuelle Phase der Technologie ein?
Die Technologie ist aus der Hype-Phase herausgewachsen. Wir befinden uns heute in einer Phase des technologischen Realismus: Viele überzogene Erwartungen haben sich relativiert, und es zeigt sich, welche Anwendungen wirklich tragfähig sind. Einige Anbieter und Ansätze verschwinden vom Markt, andere setzen sich durch. Ich sehe darin eine natürliche Entwicklung, wie wir sie auch bei anderen Technologien erlebt haben, sei es beim Internet in den 90er-Jahren oder aktuell bei der KI. Die Branche konsolidiert sich, die Euphorie ist der Realität gewichen.
Wenn Sie die letzten zehn Jahre der additiven Fertigung Revue passieren lassen, was waren für Sie die markantesten Entwicklungen oder Meilensteine?
Ein zentraler Meilenstein war sicher der Wandel vom Rapid Prototyping zur additiven Fertigung als vollwertige Fertigungstechnologie. Anfangs ging es vor allem darum, schnell Prototypen herzustellen, heute sprechen wir von Bauteilen mit Seriencharakter. Auch die Entwicklung ganzer Prozessketten war entscheidend: Design, Datenaufbereitung, Fertigung, Nachbearbeitung – all das muss zusammenspielen. Hinzu kamen Fortschritte bei Materialien, insbesondere Metallen, sowie wichtige Normierungs- und Qualitätssicherungsprozesse. Nicht zuletzt spielt die Ausbildung eine Rolle. Es ist zentral, dass junge Fachkräfte mit der Technologie vertraut gemacht werden. In vielen Studiengängen und Berufsausbildungen ist der 3D-Druck heute fester Bestandteil.
Wo wurde Ihrer Meinung nach der Begriff «Revolution» zurecht verwendet – und wo war es vielleicht doch eher eine «Illusion»?
Eine Revolution war die additive Fertigung sicher in gewissen Branchen wie der Medizintechnik, insbesondere bei patientenspezifischen Implantaten, Knochenmodellen oder Operationshilfen. Auch in der Dentaltechnik und bei Hörgeräten hat die Technologie Prozesse fundamental verändert. Illusionen gab es hingegen bei der Erwartung, dass additive Fertigung klassische Verfahren wie Giessen oder Fräsen in der Serienproduktion ablösen würde. Auch die Hoffnung, dass man zu Hause alles selbst drucken kann oder dass durch additive Fertigung automatisch Kosten gesenkt werden, hat sich so nicht erfüllt. Revolutionär ist allerdings das Konzept der dezentralen Fertigung, etwa direkt im Spital oder in kleineren Einheiten näher am Kunden. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Gestaltung von Lieferketten und Geschäftsmodellen.
Wo liegen derzeit die grössten Herausforderungen für die Weiterentwicklung der additiven Fertigung?
Die grosse Herausforderung bleibt die Wirtschaftlichkeit, also die Kosten pro Bauteil. Hier braucht es neue Ansätze, etwa durch Parallelisierung der Prozesse oder optimierte Skalierbarkeit. Auch der Know-how-Transfer ist weiterhin ein Thema: Unternehmen müssen die Technologie als Teil eines Gesamtsystems verstehen, nicht nur als Einzelverfahren. Die Nachhaltigkeit wird ebenfalls wichtiger, zum Beispiel die Frage, wie energieintensiv die Pulverherstellung ist oder wie ressourcenschonend ganze Prozessketten wirklich sind. Und schliesslich sehe ich eine Chance in der nächsten Generation von Fachkräften: Junge Leute, die additive Fertigung nicht als Modeerscheinung, sondern als realistische Option sehen, bringen oft neue Impulse in Unternehmen.
Herr Schumacher, vielen Dank für Ihre Ausführungen.
Internationale Fachmesse für Druckguss: Technik, Prozesse, Produkte
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