Medizintechnik bleibt führend, Spezialmaschinen verzeichnen das stärkste Wachstum.

Patentanmeldungen nahe Rekordniveau

Europäische Patentorganisation

Laut dem veröffentlichten EPO Technology Dashboard (ehemals Patent Index) 2025 beläuft sich die Zahl der Patentanmeldungen aus der Schweiz beim Europäischen Patentamt (EPA) im Jahr 2025 auf 9914. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit weltweit auf Position sieben und in Europa auf dem dritten Platz, hinter Deutschland und Frankreich.

Im europäischen Vergleich gehören sechs Schweizer Kantone zu den 25 europäischen Regionen mit den meisten Patentanmeldungen, darunter Zürich auf Position 13, Waadt auf Platz 18 und Zug auf Rang 19. Nach dem Rekordjahr 2024 bleibt die Zahl der Anmeldungen in 2025 nahezu stabil bei 9914 (-0,5 Prozent gegenüber 2024). Mit 1096 Patentanmeldungen pro Million Einwohner in 2025 führt die Schweiz weltweit das Ranking der Patentanmeldungen pro Kopf an.
Das EPA verzeichnete im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von 201’974 Patentanmeldungen. Damit steigen die Patentanmeldungen um +1,4 Prozent und überschreiten erstmals die Marke von 200’000. Die Anmeldungen aus Europa – einschliesslich aller EPA-39 Mitgliedsstaaten – steigen um +0,4 Prozent (EU27: +0,7 Prozent), während die Anmeldungen aus Ländern ausserhalb Europas um +2,1 Prozent zunehmen. Patentanmeldungen sind ein Frühindikator für Investitionen in Forschung und Entwicklung. «Die Rekordzahl an Patentanmeldungen unterstreicht die Innovationskraft Europas und seine Attraktivität als globaler Technologiemarkt», sagt EPA-Präsident António Campinos. «Das Technology Dashboard 2025 zeigt auf, welche Industrien Fortschritte erzielt haben und wo noch Lücken bestehen. Es unterstützt politische Entscheidungsträger in Europa dabei, zentrale Themen zu identifizieren sowie gezielte Massnahmen und Investitionen zu planen, um technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das Einheitspatent beseitigt zwar Hindernisse und beschleunigt den Übergang zu einem stärker integrierten europäischen Innovationsmarkt. Dennoch bleibt ein besonderer Fokus auf strategische Sektoren wie KI, Halbleiter, Gesundheit und Quantentechnologien notwendig.»

Medizintechnik bleibt führend, Spezialmaschinen [1] verzeichnen das stärkste Wachstum
Im Jahr 2025 entfallen die meisten Patentanmeldungen aus der Schweiz auf die Medizintechnik, die mit 965 Anmeldungen trotz eines Rückgangs von -7,7 Prozent weiterhin das führende Technologiefeld bleibt. Auf Platz zwei folgt das Technologiefeld sonstige Konsumgüter [2] mit einem Zuwachs von +12,7 Prozent (931 Anmeldungen), wodurch die Messtechnik mit 830 Anmeldungen (-8,6 Prozent) auf den dritten Platz zurückfällt. Das Feld Elektrische Maschinen, Geräte und Energie auf Platz vier verzeichnet ebenfalls einen leichten Rückgang (773, -4,9 Prozent), während der Bereich Handhabung [3] auf Platz fünf um -4,8 Prozent sinkt, nach einem Wachstum im Jahr 2024. Die Bereiche Pharmazeutika (-1,9 Prozent) und Biotechnologie (-1,6 Prozent) bleiben auf hohem Niveau stabil, während sie insgesamt beim EPA zurückgingen. Dies unterstreicht die Stärke des Landes im Bereich Life-Sciences. Das grösste Wachstum verzeichnen die Technologiefelder sonstige Spezialmaschinen (+32,1 Prozent) und Transportwesen (+14,2 Prozent).

Spitzenreiter bei den Patentanmeldungen pro Kopf
Im Jahr 2025 behauptet die Schweiz ihre internationale Spitzenposition bei den europäischen Patentanmeldungen pro Million Einwohner mit rund 1096 Anmeldungen. Damit bleibt sie klar führend. Es folgen Finnland (613), Schweden (446) und Dänemark (446), noch vor grösseren Ländern wie Deutschland (293), Japan (173) und den USA (135). Drei Schweizer Unternehmen sind unter den Top 50 Anmeldern.
Im Jahr 2025 zeigen Schweizer Unternehmen im internationalen Vergleich erneut eine hohe Patentaktivität. Die drei führenden Unternehmen in der Schweiz gehören zu den Top 50 Patentanmeldern.
Gemeinsam verzeichnen sie 18,4 Prozent (1824) der insgesamt 9914 Patentanmeldungen in der Schweiz.Hoffmann-La Roche führt mit 681 Patentanmeldungen trotz eines leichten Rückgangs von 4,1 Prozent weiterhin die Innovationslandschaft der Schweiz an. Philip Morris International folgt dicht dahinter mit 680 Anmeldungen und verzeichnet einen Anstieg von +37,4 Prozent. ABB behauptet mit 463 Anmeldungen (-14,3 Prozent) die Position als zentraler Innovator in der Elektrotechnik und Automatisierung.
Schweizer Unternehmen glänzen beim EPA weiterhin in diversen führenden Technologiefeldern: Hoffmann-La Roche belegt Platz 1 in der Biotechnologie, Platz 2 im Bereich Pharmazeutika und Platz 4 in der Organischen Feinchemie. Novartis liegt auf Platz 8 im Segment Pharmazeutika, die Swatch Group auf Platz 8 in der Messtechnik. ABB rangiert auf Platz 14 bei Elektrischen Maschinen, Geräten und Energie. Das Schweizer Anmeldeportfolio bleibt somit über Life Sciences, industrielle Maschinen und Konsumgüter hinweg relativ diversifiziert.

Schweizer Universitäten zählen zu den innovativsten in Europa
Schweizer Universitäten zeigen 2025 beim EPA eine starke Aktivität bei Patentanmeldungen. Unter den Institutionen der 39 EPA-Mitgliedstaaten [4] belegt die École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) mit 103 Anmeldungen den zweiten Platz (geteilt mit der KU Leuven aus Belgien), gefolgt von der ETH Zürich auf Platz vier mit 81 Anmeldungen. Die Universität Zürich erreichte mit 41 Anmeldungen den zehnten Platz. Somit gehören drei Schweizer Hochschulen zu den Top 10 in Europa.

Kantone: Innovationszentren bleiben stabil
Wie in den Vorjahren führt Zürich das Ranking der Kantone mit den meisten Patentanmeldungen an und erzielt einen Anteil von 13,7 Prozent aller Patentanmeldungen aus der Schweiz. Es folgen die Kantone Waadt (11,9 Prozent) und Zug (10,6 Prozent), die sich weiterhin als wichtige Standorte für Forschung und Technologie behaupten. Zusammen mit Basel-Stadt (10 Prozent) und Genf (9,5 Prozent) erzielen die Top 5 der 26 Kantone über 50 Prozent aller Patentanmeldungen aus der Schweiz. Dies unterstreicht die starke Konzentration von Innovationsaktivitäten in forschungsintensiven Clustern mit einer hohen Dichte an multinationalen Unternehmen, spezialisierten KMU und international renommierten Universitäten. Unter den Kantonen mit über 100 Anmeldungen verzeichnet Bern (+48 Prozent) das stärkste Wachstum, nach bereits 18,6 Prozent Zuwachs im Jahr 2024.

Schweizer Patentinhaber nutzen zunehmend das Einheitspatent
Seit dem 1. Juni 2023 können Erfinder das Einheitspatent nutzen, das ihnen eine kostengünstige und vereinfachte Möglichkeit bietet, Patentschutz in den 18 EU-Mitgliedstaaten zu erhalten, in denen das Einheitspatent derzeit gilt. Auch 2025 setzte sich die zunehmende Nutzung des Einheitspatents durch Patentinhaber aus der Schweiz fort: Sie beantragten für 35,2 Prozent ihrer 2025 erteilten europäischen Patente die einheitliche Wirkung (1791 Anträge), nach 32,6 Prozent im Jahr 2024. Damit liegt die Schweiz leicht unter dem EPA-Durchschnitt von 40 Prozent, aber über dem globalen Durchschnitt von 28,7 Prozent.

Literatur
[1] Sonstige Spezialmaschinen umfasst eine Vielzahl von Technologien, unter anderem Werkzeugmaschinen für verschiedene Industrien sowie 3D-Druck.
[2] Sonstige Konsumgüter beinhaltet persönliche und Haushaltsgegenstände, die in keine der anderen spezifischen Kategorien fallen (wie zum Beispiel «Möbel, Spiele» oder «Medizintechnik»). Dazu zählen beispielsweise Kleidung, Schmuck, Musikinstrumente sowie tabakbezogene Technologien, einschliesslich E-Zigaretten.
[3] Handhabung umfasst Verpackungstechnologien sowie Technologien, die mit der Handhabung von Gegenständen zu tun haben, etwa beim Verpacken, Fördern, Heben, Transportieren und Öffnen.
[4] Das EPA setzt sich aus 39 Mitgliedstaaten, darunter alle 27 EU-Länder, zusammen.

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