Blick in die Fertigung von Grischa Mechanik – ein Unternehmen, das heute als breit aufgestellter Lohnfertiger am Markt agiert.

Ordnung aus der Cloud

Sandvik AG

Grischa Mechanik aus CH-7302 Landquart ist ein Lohnfertiger, der seit der Gründung im Jahr 1989 schnell gewachsen ist. Nicht untypisch, mussten mit diesem Wachstum immer wieder Strukturen und Vorgehensweisen überdacht, angepasst oder neu etabliert werden. Zum Beispiel die Werkzeuglogistik, wo das Unternehmen aus Landquart mit einer Sandvik-Lösung neue Level beim Workflow bis hin zur Bestandskontrolle erreicht hat.

160 Einzelkunden waren es im letzten Jahr, die Grischa Mechanik mit Aufträgen unterschiedlicher Komplexität bedient hat. Ein Umfang, der einmal mehr deutlich über dem Niveau vorangegangener Jahre lag. In diesen Jahren stiegen zugleich die Zahl der Werkzeuge und der Umfang der zugehörigen Verwaltungsprozesse merklich an. Zumal zum anfänglichen Drehen und Fräsen bald das Sägen, Schleifen, Erodieren und Lasern hinzugekommen waren. Ab einem gewissen Auftragsvolumen traten dann erste Schwierigkeiten bei der Werkzeugnutzung und -verwaltung auf, die sich mit wachsendem Auftragsvolumen weiter zuspitzten. Aufgrund des fehlenden Überblicks über den Gesamtbestand gehörten dazu zum Beispiel ineffiziente Suchprozesse, Arbeitsabläufe und Stillstandzeiten.
Weil der Bestand nur visuell kontrolliert wurde, eine digitale Bestandsführung also fehlte, «kam es ausserdem zu Doppelbestellungen und überhöhten Lagerbeständen», berichtet der Teamleiter Drehen Armando Sinito. «In manchen Fällen war auch ein erhöhter Aufwand bei der Nachverfolgung von Lieferungen zu verzeichnen.» Vor allem aber hätte es keine eindeutige Zuordnung der eingesetzten Werkzeuge zu den Maschinen und Mitarbeitern gegeben, was eine vollständige Kostenstellenanalyse verhinderte. «Darüber hinaus verkomplizierten inkonsistente Artikelbezeichnungen, die sich durch verschiedene Lieferanten ergaben, den Beschaffungsprozess», so Armando Sinito weiter. «Und: Veraltete oder selten genutzte Werkzeuge banden Lagerplatz und Kapital.» Nicht zuletzt ergab sich Optimierungspotenzial aus dem Anspruch von Grischa Mechanik, dass jeder Mitarbeiter jede Maschine programmieren und bedienen kann, um ein hohes Mass an Prozessverständnis anzusammeln. Die Kehrseite der Medaille ist nämlich: Den gesamten Werkzeugbestand kann ein Mitarbeiter einfach nicht kennen.

Modular, branchenbezogen, cloudbasiert
Vor diesem Hintergrund entschied sich Grischa Mechanik im letzten Jahr, ein neues digitalisiertes Werkzeugverwaltungssystems einzuführen. «Nach einer sechsmonatigen Evaluationsphase fiel unsere Wahl auf CoroPlus Tool Supply von Sandvik – eine Entscheidung, für die vor allem die branchenspezifischen Analyse- und Reportingfunktionen der Software sowie die langjährige Partnerschaft mit Sandvik ausschlaggebend waren», betont Alessio Lucia, Teamleiter Fräsen Grossteile. Die Software arbeitet cloudbasiert mit «Microsoft Azure», was den Zugriff über diverse Endgeräte ermöglicht, ohne dass eine lokale IT-Infrastruktur erforderlich ist. Dank automatischer Updates ist das System zudem stets up to date. «Physisch ist CoroPlus Tool Supply als ein modulares Schranksystem umgesetzt, das bei uns derzeit aus vier Einheiten und rund 1000 Lagerplätzen besteht», informiert Alessio Lucia. Statt eines Karussellsystems habe sich Grischa Mechanik für ein Schubladensystem mit Klappenverschluss entschieden, das der bis dahin genutzten Lagerstruktur ähnlich sei: «In der Raumnutzung und Flexibilität hatte es sich bei unterschiedlich grossen Werkzeugen ganz einfach bewährt.» Ein zentraler Vorteil des CoroPlus Tool Supply besteht für den Lohnfertiger zudem in dessen Lieferantenunabhängigkeit: Neben Sandvik-Produkten integrierten und verwalteten die Landquarter so von Anfang an auch Bohrer, Fräser, Wendeschneidplatten und Sonderwerkzeuge anderer Hersteller. «Komplettwerkzeuge und Werkzeugaufnahmen haben wir zunächst bewusst ausgeschlossen, sie sollen eventuell in einem nächsten Schritt integriert werden», erzählt Alessio Lucia. «Verwaltet werden in der derzeitigen Konstellation auch gebrauchte Werkzeuge, wofür sie ausserhalb der Schränke gelagert werden.»

Ergebnisse in einer Kultur der Eigenverantwortung
Heute können alle Mitarbeiter von Grischa Mechanik Werkzeuge aus dem CoroPlus Tool Supply entnehmen, nachdem sie sich per Chip oder Karte identifiziert haben. Die Benutzerführung sei intuitiv, sind sich Armando Sinito und Alessio Lucia einig, weshalb auch Mitarbeiter ohne ausgeprägte IT-Kenntnisse schnell mit dem System arbeiten könnten. «Die Bestandsübersichten erhalten sie in Echtzeit», unterstreicht Stefan Vanucic (Sales Application Specialist bei Sandvik). «Die Werkzeugentnahme erfolgt personalisiert, wobei relevante Daten wie der konkrete Mitarbeiter und die konkrete Maschine automatisiert erfasst werden.» Perspektivisch plant Grischa hier bereits eine Erweiterung um Auftrags- und Kostenstellenzuordnungen. Zudem gibt es Planungen zum heute noch teilautomatisierten Bestellprozess: «Die nächsten Schritt sollen für Sandvik-Produkte die direkte Anbindung an unseren eShop und das automatische Auslösen von Bestellungen sein», konkretisiert Stefan Vanucic. Für andere Lieferanten generiert das System schon heute standardisierte Bestellungen, die vor Versand geprüft werden. Digitalisiert wurde in Landquart auch der Wareneingang: Hier führt das System den Mitarbeiter nach dem Scannen der Lieferscheine schubladen- und klappenweise zum korrekten Lagerplatz. Das verhindert nicht nur Fehleinlagerungen, sondern spart auch Zeit. «Gleichzeitig erleichtert das System die Kontrolle von Lieferungen und Rechnungen, da alle Bestelldaten und Lieferungen nachvollziehbar sind», betont Stefan Vanucic.
Schon kurz nach der Inbetriebnahme des CoroPlus Tool Supply ergaben sich für Grischa Mechanik merkliche Verbesserungen in den betrieblichen Abläufen. So führten die in Echtzeit verfügbaren Bestandsdaten zu einer Reduktion der Such- und Rüstzeiten. Auch wurde die Prozesssicherheit in der Produktion erhöht, zum Beispiel durch die optimierte Werkzeugauswahl und die umfassenderen Informationen für die Programmierung. «Zugleich ermöglicht die Erfassung aller Entnahmen eine exakte, kostenstellenbezogene Analyse des Werkzeugverbrauchs», stellt Armando Sinito heraus, wobei hier sofort ein weiterer Aspekt hineinspielt: die Sensibilisierung der Mitarbeiter für den wirtschaftlichen Umgang mit Betriebsmitteln. «Weil die Werkzeugkosten heute für jeden transparent sind, hat sich ein erhöhtes Kostenbewusstsein entwickelt, ohne dass die Transparenz als Kontrollinstrument empfunden wird. Bei entsprechender Disziplin der Mitarbeiter unterstützt das System vielmehr eine Kultur der Eigenverantwortung», unterstreicht der Teamleiter Drehen.
Mittlerweile hat sich auf dieser Grundlage eine Reduzierung der Werkzeugkosten und eine Senkung der Lagerbestände bestätigt. Ausserdem trägt die integrierte Bibliothek mit ihren Werkzeug- und Prozessdaten zu einer Optimierung der Fertigungsprozesse bei. Indem etwa die Mitarbeiter auf Schnittwerte zugreifen und diese vergleichen können, lassen sich die Effizienz, Prozesssicherheit und Qualität der Bearbeitung erhöhen. Selbstredend hat Grischa Mechanik inzwischen auch den Werkzeugbestand bereinigt, sodass sich die Lagerkapazitäten effizienter nutzen lassen. Vorteile ergeben sich nicht zuletzt auf organisatorischer Ebene: So profitiert etwa die Produktionsleitung von einer deutlichen Entlastung im administrativen Bereich, wodurch mehr Ressourcen für strategische Aufgaben zur Verfügung stehen.

Weitere Ausbaustufen geplant
«Die Einführung des CoroPlus Tool Supply stellt für uns einen wichtigen Schritt in Richtung digitalisierte Fertigung dar, der über die reine Lagerverwaltung weit hinausgeht und eine ganzheitliche Optimierung der Prozesse vorantreibt», resümiert Alessio Lucia. So plant Grischa Mechanik auch schon weitere Ausbaustufen, darunter die Integration zusätzlicher Werkzeugsysteme, die Verwaltung und Überwachung von Messmitteln, die tiefergehende Integration der Werkzeugdaten in CAM-Software sowie die Anbindung an ein ERP-System. Auch das Einbeziehen nachgeschliffener Werkzeuge wird erwogen. Langfristig bietet das System somit erweiterte Möglichkeiten, datenbasiert Entscheidungen zur weiteren Optimierung von Lagerbeständen, Beschaffungsprozessen und Fertigungsstrategien zu treffen. So entwickelt sich die Werkzeugverwaltung von einem rein operativen System zu einem strategischen Instrument der Produktionssteuerung. Schlussendlich zeigt das Beispiel Grischa Mechanik: Die Digitalisierung der Werkzeuglogistik ermöglicht nicht nur eine deutliche Effizienzsteigerung, sondern leistet einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit. Zumal der Lohnfertiger davon ausgeht, dass sich der CoroPlus Tool Supply innerhalb eines Jahres amortisiert.

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