AMB, Stuttgart
Internationale Messe für Metallbearbeitung
15. bis 19. September
www.messe-stuttgart.de/amb
Bild: Laubscher Präzision
Mit der «Traub TNX 160» wird Index im nächsten Jahr ein neues Dreh-Fräs-Zentrum auf den Markt bringen. Nach deren Ankündigung auf der kommenden AMB soll die erste Maschine dann Anfang 2027 an Laubscher Präzision nach CH-2575 Täuffelen im Kanton Bern geliefert werden. Damit wird sie zu einer neuen Wegmarke der über hundertjährigen Zusammenarbeit beider Unternehmen.
Mit der Traub TNX 160 hat Laubscher nominell zwar eine Standardmaschine bei Index bestellt. Weil sie aber für Laubscher das erste Index-Dreh-Fräszentrum darstellt, das zudem noch mit der im Hause bekannten Traub-Steuerung ausgestattet ist, hat das Projekt für beide Unternehmen dann doch wieder einen Sondercharakter. Denn Maschinen mit spezieller Konfiguration oder gar eigenem Entwicklungsanteil sind zwischen Index und Laubscher nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Hintergrund ist das Geschäftsmodell von Laubscher, das zum Grossteil auf Projekten mit hohem Individualisierungsgrad beruht – die wiederum einen entsprechenden Zuschnitt der Fertigungsmittel erfordern. Laubscher nennt Index in solchen Fällen dann nicht nur seine speziellen Vorstellungen, oft verwirklichen die Unternehmen das Projekt von Beginn an in einer Entwicklungspartnerschaft. Dies ist auch bei der Traub TNX 160 der Fall, zumal mit ihr das Dreh-Fräsen als neue Technologie in Täuffelen Einzug hält. Doch dazu später mehr.
Präzisionsteile seit 1846
Bislang jedenfalls setzt Laubscher ausschliesslich Mehrspindeldrehautomaten und Langdrehautomaten von Index ein. Komplettiert wird die Drehmaschinenflotte in Täuffelen durch Universal-, Revolver- bis hin zu Multitasking-Maschinen. «Hochflexibel und effizient stellen wir damit Drehteile im Durchmesserbereich von 0,3 bis 42 mm her, die in der Stückzahl stark variieren», erzählt Produktionsleiter Mirko Laubscher. «Während es in der Medizinaltechnik Prototypenserien von zehn oder 100 Stück und in der Uhrenindustrie übers Jahr über 1000 Teile sein können, reichen sie zum Beispiel bei Asthma-Geräten in den zweistelligen Millionenbereich.» Technologisch wird dabei das Drehen vom Fräsen, Rund-, Spitzenlos- und Gleitschleifen, Rollieren, Elektropolieren und Galvanisieren ergänzt. «Aktuell stellen wir hierbei fest, dass – ausgehend vom Bestreben der Kunden nach immer komplexeren Teilen mit grösserem Funktionsumfang – der Fräsanteil auf bis zu 80 Prozenz steigt», berichtet Laubscher. «Das bringt natürlich neue Anforderungen an die Maschinen und unsere Prozesse mit sich.» Zugleich erfordere die Wirtschaftlichkeit der Fertigung eine zunehmende Automatisierung besonders beim Handling kleinerer Bauteile, die im 24/5-Betrieb mit Portalladern bis hin zu Robotern umgesetzt wird. «Für das Prototyping und Co-Engineering neuer Kundenideen betreiben wir zudem ein Technologie- und Trainingszentrum, wo mit dem Kunden Teile und Fertigungsprozesse entwickelt sowie die Herstellbarkeit und Wirtschaftlichkeit sichergestellt werden.»
Zusammenarbeit seit über 100 Jahren
Die Zusammenarbeit von Laubscher und Index, die für beide Unternehmen einen strategischen Charakter hat, besteht inzwischen seit über einhundert Jahren: Schon in den 1920er-Jahren hatte Laubscher die ersten Maschinen aus Esslingen gekauft. «Die Schweiz war damit das erste Land, in das Index über Deutschland hinaus lieferte», erzählt Rainer Gondek (Head of Global Marketing) bei dem Maschinenhersteller. Jahrzehnte liefen solche Verkäufe dann über die Firma Springmann, die Vertretung von Index in der Schweiz. Eine Zusammenarbeit, die ebenfalls über 100 Jahre kultiviert wurde. «2019 gründete Index dann in der Schweiz eine Tochtergesellschaft, für die das erfahrene Personal von Springmann übernommen wurde», schildert Daniel Stier (CEO von Index Schweiz). «Heute agieren wir mit zehn Servicetechnikern, zwei Ersatzteil- und drei Hotline-Mitarbeitern für den technischen Support am Markt.»
Mehrspindel- und Lang-/Kurzdrehautomaten sind es also, die Laubscher nun schon über mehrere Maschinengenerationen von Index einsetzt. Aktuell sind in Täuffelen über 20 «Index MS»-Mehrspindeldrehautomaten im Einsatz, hinzu kommen 15 kleinere «Traub TNL 12» und fünf grössere «TNL 26» und «TNL 32». Will Laubscher heute einen neuen Mehrspindler kaufen, ist Index längst der erste und einzige Ansprechpartner: eine Zufriedenheit mit den Maschinen, die sich aus der Modularität und Anpassungsfähigkeit der ausgereiften Konzepte begründet. «Mit zwei Schlitten pro Spindel und zwei Revolvern sind die Maschinen für die Fertigung komplexer Bauteile prädestiniert», unterstreicht Gondek. Zugleich sei Index immer bereit, eine Maschine noch enger an die jeweilige Fertigungsaufgabe anzupassen. Alternativ könne die Veränderung eines etablierten Bauteils auch den Tausch einer Maschine erforderlich machen. «So haben wir mit dem steigenden Produktionsvolumen und der erhöhten Komplexität eines AdBlue-Einspritzteils für die Automobilindustrie etwa eine Traub TNL 26 auf einen Index-Achtspindler umgestellt, weil spezielle Fräseinheiten und Werkzeuge erforderlich waren», gibt Laubscher ein Beispiel. Laut Gondek spielt hier hinein, dass Index mit der eigenen Werkzeughalterproduktion auch Sonderhalter in modularer Bauweise entwickelt und bereitstellt.
Die Theorie zur Praxis
Nach der Fertigstellung der angepassten und eingerichteten Maschinen werden sie von Laubscher in Esslingen vorabgenommen, gefolgt von der finalen Abnahme in Täuffelen. Ist die Maschine dann in Betrieb, gibt es mit Index Schweiz in der Folge auch eine enge Zusammenarbeit im After Sales. «Um einen Sachverhalt zu klären, reicht hier oft ein einfaches Telefonat. Bei Fahrtwegen von 30 Minuten steigen wir aber auch gern ins Auto», so Stier. «Und bei Fragen zu einem Programm ist oftmals eine Unterstützung per Teleservice sinnvoll.» Ergänzt wird dieser Service von den Möglichkeiten des iX-Shops – des Webshops von Index für Ersatzteile und Werkzeughalter, wo selbst Sonderkonstruktionen vorgehalten werden. Denn über all dem steht der Anspruch, möglichst kurze Lieferzeiten zu gewährleisten.
Neben der Maschinenseite umfasst die Zusammenarbeit zudem den Einsatz von Bearbeitungsstrategien wie Interpolationsverfahren, Polygondrehen, Schlitzdrehen oder Wirbeln. Hier wie bei der Prozessoptimierung oder der Zykluszeitreduzierung bringt Index Know-how aus vergleichbaren Projekten ein und berät Laubscher bei der Wahl der Fertigungsmethode. Abgerundet wird die Zusammenarbeit von einem breiten Schulungsprogramm, «das unsere Mitarbeiter im Index iXperience Center in Deizisau immer wieder gern genutzt haben, zum Beispiel für das Streamline-Fräsen oder zur Programmierung aus 3D-Step-Dateien», so Laubscher.
Die Praxis zur Theorie
Doch zurück zur Frage, warum Laubscher mit der Traub TNX 160 erstmals Dreh-Fräs-Technologie kauft. Die Antwort gibt einmal mehr das Bauteil. «Ein langjähriger Kunde benötigt komplexere Teile, deren Fräsanteil sich auf unseren Bestandsmaschinen nicht effizient umsetzen lässt. Bei Ø 8 bis 35 mm wird dieser Fräsanteil bei 80 Prozent liegen. Ausserdem wird das Entgraten in die Komplettbearbeitung integriert», beschreibt Laubscher die Knackpunkte. Die geplanten Stückzahlen der Teile, die später in humanoiden Robotern eingesetzt werden, liegen im ersten Schritt bei 1000 bis 50’000 pro Jahr. Dass für die Fertigung eine TNX 160 eingesetzt werden soll, hat auch wesentlich damit zu tun, dass die bis dato verfügbaren Index-Dreh-Fräszentren für Laubschers Ansprüche zu gross und zu schwer waren. Also entwickelte der Maschinenbauer auf Basis der neuen Index G160 eine mechanisch identische Traub TNX 160 mit einem Stangendurchlass von 42 mm (optional: 65 mm) und mit Mitsubishi-Steuerung. «Ausgestattet wird die Maschine mit einer Haupt- und Gegenspindel sowie einer leistungsstarken Frässpindel und zwei Werkzeugrevolvern», schildert Rainer Gondek. «Weil die Revolver 30 und das Werkzeugmagazin 90 Werkzeuge aufnehmen können, stehen insgesamt 120 Plätze zur Verfügung. In dieser Konstellation ist die Simultanbearbeitung ebenso möglich wie die flexible Bearbeitung an beiden Spindeln. Zugleich lassen sich die Teile bei kurzen Zykluszeiten in einer Aufspannung komplettbearbeiten, was hohe Präzision bürgt.» Die Lieferung und Installation der TNX 160 ist für Q1 2027 geplant. Dass Laubscher schon früh im Entwicklungsprozess den Wunsch nach einer Mitsubishi-Steuerung äusserte und dass Index diesem Wunsch nahezu selbstverständlich nachkommt, zeigt einmal mehr den Stellenwert der über hundertjährigen Zusammenarbeit.
Die Laubscher Präzision AG
Laubscher Präzision ist ein seit 180 Jahren bestehender Lohnfertigungsbetrieb, der sich auf die Herstellung komplexer Präzisionsteile für die Uhren-, Medizintechnik- und allgemeine Industrie spezialisiert hat. Während das Unternehmen für die Uhrenindustrie vor allem Schrauben, zunehmend aber auch Teile wie Federgehäuse fertigt, wird mit rund 60 Prozent der grösste Umsatzanteil mit Teilen für die Medizintechnik generiert. Hergestellt werden hier ausschliesslich Bauteile, die nicht im Körper verbleiben. Zu den Anwendungsbereichen gehören zum Beispiel Bauteile für Operationsgeräte, die bei der Implantation von künstlichen Gelenken zum Einsatz kommen, oder Inhalationsgeräte für schwer betroffene Asthmatiker. Darüber hinaus produziert Laubscher Teile für das minimalinvasive PTA-Verfahren, das zur Erweiterung verstopfter Arterien eingesetzt wird. Im Segment der allgemeinen Industrie haben die Schliesstechnik und Elektrotechnik einen hohen Stellenwert, wogegen Automotive einen kleineren Bereich darstellt und die Hydraulik rückläufig ist. Als Ersatzmarkt hat sich hier in letzter Zeit die Gebäudetechnik herauskristallisiert, für die zum Beispiel Bauteile für Pressgeräte für Edelstahlrohre hergestellt werden. Laubscher Präzision verarbeitet im Jahr 800 t Material. Bei einem Gesamtgewicht von 350 t entstehen daraus etwa 220 Millionen Teile.
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