Samuel Ammann: «Mit unserer grossen Vielfalt sind alle Projekte auf ihre Art spektakulär und herausfordernd.»

Ausgabe 03 | 2024

Die Mechanikprofis für Fabrikumzüge

Bauberger AG

Spätestens mit der Globalisierung so gut wie aller Industrien und besonders derjenigen, die mit der Produktion von Gütern und Waren aller Art befasst sind, kommt der zeitoptimierten Implementierung von neuen oder von Occasionsmaschinen und Anlagen bis hin zu ganzen Fabriken eine sehr grosse Bedeutung zu. Dabei geht es sowohl um den termingerechten und sicheren Abbau, Transport und die erneute Implementierung von Heavy-Duty-Anlagen als auch von hochwertigen Maschinen aller Grössenordnungen inklusive jeweiliger Peripherie.

Da sich die besagte Globalisierung natürlich auch auf die Produktionsstätten in der Schweiz auswirkt, kommt es hier zur Steigerung der Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit ebenfalls zu Ergänzungen und Verlagerungen im kleinen und grossen Stil. Mit dem international agierenden Generalunternehmen Bauberger AG steht seit nunmehr 50 Jahren ein Spezialist zur Verfügung, der sich mit der Demontage, Verschiebung und Neumontage von Schwerlasten bis 540 Tonnen einen Namen gemacht hat. Der Hauptstandort befindet sich in CH-8353 Elgg. Im letzten Jahr kam für die Westschweiz eine eigene Niederlassung dazu. Zum Jubiläum befragte die maschinenbau-Redaktion den Geschäftsführer Samuel Ammann, der seit 1. September 2023 sein neues Amt ausübt, zum aktuellen Dienstleistungsspektrum und zur künftigen Ausrichtung der Bauberger AG.

Herr Ammann, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Ernennung als Geschäftsführer der Bauberger AG! Welchen beruflichen Hintergrund haben Sie und wie stellt sich Ihre Position in diesen logistisch und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten dar?
Ich habe nach einer Lehre als LKW-Mechaniker und einigen Jahren Berufserfahrung eine Zweitausbildung als Systemtechnik-Ingenieur absolviert. Während dem Vollzeitstudium habe ich die Wochenenden und Ferien im LKW verbracht und mir so das Studium finanziert. Nach dem abgeschlossenen Studium war ich während rund zehn Jahren in Industriebetrieben und habe dort als Systemingenieur und auch Führungsaufgaben in der Produktion übernommen, bevor ich dann als Betriebsleiter zur Firma Bauberger gestossen bin.

Dieses Jahr feiert die Bauberger AG sein 50-Jahr-Jubiläum. In diesem Zeitraum wurden wohl unzählige Maschinen- und Fabrikumzüge organisiert. Welches Projekt würden Sie als besonders spektakulär und herausfordernd bezeichnen?
Mit unserer grossen Vielfalt sind alle Projekte auf ihre Art spektakulär und herausfordernd. Sei es, weil die Maschine aufgrund von terminlichen Verzögerungen genau dann geliefert werden soll, wenn schon alle Mitarbeiter bis auf unsere Sekretärin im Einsatz stehen. Oder weil die technischen Rahmenbedingungen aufgrund des Gewichts und der örtlichen Gegebenheiten höchste Konzentration erfordert. Manchmal liegt der Teufel aber im Detail und eine, von Aussen betrachtet, unspektakuläre Maschine muss über einen unzugänglichen Weg, hochkant in ein «Mausloch» eingebracht werden.

Geben Sie unseren Lesern bitte einen Überblick über das Dienstleistungsspektrum der Bauberger AG.
Ein einfacher Überlick über unsere Dienstleistung zu erhalten ist schwierig. Da wir uns in verschiedenen Branchen, von der Maschinenindustrie über Food und Pharma bis auch zum Bau hinbewegen und dort von einzelnen kleinen Teilprojekten bis hin zu Gesamtprojektleitungen alles anbieten.

Über welches Equipment verfügen Sie und wo sehen Sie ihren Kompetenz-Schwerpunkt?
Wir haben eine schlagkräftige, flexible und sehr leistungsbereite Mannschaft zusammen. Zudem verfügen wir ein grosses und vielseitiges Repertoire an verschiedenem Spezial-Equipment. Dieses reicht vom einfachen Dreibein mit Seilwinde bis hin zur grossen Hubanlage mit einer gesamten Hubkapazität von 360 t, einer grossen Staplerflotte vom einfachen Handhubwagen bis zum 75 t Spezialstapler und einer mittelgrossen, ebenfalls speziellen LKW-Flotte, welche wir für den Transport von Kunden- und unserem eigenen Material auf die Einsatzplätze einsetzen können.

Weiter verfügen wir über zwei Schwergutlager an den Standorten Elgg und Biel, an welchen wir Güter mit mehreren 100 t umschlagen können und auf je rund 4000 m2 lagern können.
Ein wesentlicher Mehrwert, den wir den Kunden bieten können, ist die Kombination von allem zusammen. Mit unseren Schwergutlager können wir Anlieferungen von mehreren Lieferanten oder aus dem Ausland puffern, sodass das Kundenmaterial in der richtigen Reihenfolge just in time angeliefert werden kann. Mit unserer eigenen Flotte können wir das Transportgut, inklusive des erforderlichen Equipments, direkt auf den Einsatzplatz mitbringen, wobei das Personal, welches den Transport ausführt, die Einbringung oder Montage noch selbst ausführt. So hat der Kunde alles aus einer Hand und ohne Wartezeit geliefert und montiert.

Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften ist auch in der Schweiz zunehmend ein Problem. Wie sieht das bezüglich der Rekrutierung von Fachkräften für Ihren Betrieb aus und/oder bildet Bauberger AG auch selbst aus?
Wir finden in der Tat keine Mitarbeiter über Temporär-Büros und hatten die letzten Jahre nur wenige Bewerber, welche aufgrund von geschalteten, herkömmlichen Inseraten angestellt werden konnten. Unsere beste Quelle ist die Mund-zu-Mund-Propaganda und seit einiger Zeit auch der Social-Media-Auftritt um potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf uns aufmerksam zu machen.
Da wir hauptsächlich bei unseren Kunden vor Ort sind und die Arbeitstage von der Dauer sehr unregelmässig sein können, sehen wir den Einsatz mit Lehrlingen eher kritisch. Zudem können wir nicht beeinflussen, welchen Arbeitsinhalt der Einsatz mit sich bringt, wodurch auch eine gezielte Ausbildung der Lernenden nicht gewährleistet werden kann.
Neue Mitarbeiter durchlaufen bei Stellenantritt in ein mehrtägiges Schulungsprogramm, welches auch punktuell über die ersten zwei Jahre fortgesetzt wird.

In allen Fällen bewegen Sie hochwertige Industriegüter, welche einen sorgsamen Umgang erfordern. Wie stellen sich die damit einhergehenden Anforderungen im Personaltableau der Bauberger AG dar?
Unser Wunschkandidat hat einen mechanischen Hintergrund für das technische Verständnis, Freude am Umgang mit Maschinen und Fahrzeugen und bereits einige Jahre Berufserfahrung. Ich bin aber grundsätzlich der Meinung, dass mit einer abgeschlossenen Berufslehre, dem nötigen Interesse und Hingabe sowie einer guten Einführung auch artverwandte Berufsleute den Einstieg in unsere Branche schaffen. Wichtig ist vor allem, dass der Mensch sich gut in unser Team einpasst, unsere Kultur annimmt und sich der Verantwortung bewusst ist, welche unsere Arbeit mit sich bringt.

Wie viele Mitarbeitende beschäftigt das Unternehmen und wie stellt sich die Aufteilung in administratives und produktives Personal in der täglichen Praxis dar?
Alles in allem sind wir aktuell 38 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rein administrativ sind nur die Sekretärin und ein Disponent. Die sechs Projektleiter sowie anderen «Zudiener», inklusive mir, ziehen, wenn es die Situation erfordert, die Überhosen an und gehen auch mit auf den Einsatz. Zudem können wir auf diverse, langjährige Aushilfen zurückgreifen, um Auftragsspitzen abzudecken.
Natürlich wird der Papierberg für eine Auftragsabwicklung immer grösser, da für jeden Auftrag eine Besichtigung und Offerte erforderlich ist.

Beschreiben Sie bitte an einem Beispiel «Demontage einer alten und Einbringen sowie Montage einer neuen Werkzeugmaschine» den entsprechenden Prozessverlauf und was dafür an Equipment zum Einsatz kommt.
Anhand eines Beispiels den Prozessverlauf unserer Arbeit zu beschreiben, würde allen anderen Aufträgen und Projekten nicht gerecht, welche wir abwickeln. Unsere einzige Stetigkeit ist die Unstetigkeit.

Wie kam es zum Entscheid, in Biel eine Niederlassung für die Westschweiz aufzubauen?
Einerseits war die Entscheidung getrieben durch den geographischen Aspekt, da wir schon vor der Übernahme der Firma Kran-Hag einen beträchtlichen Kundenstamm in der Westschweiz, insbesondere im Jura, hatten. Hier mit dem Ziel, die Kunden besser und flexibler aus der Nähe betreuen zu können. Zudem ist zu erwähnen, dass auch die Zentralschweiz gleichermassen aus Biel wie Elgg betreut werden können.
Andererseits war auch die Erwartung, Personal wie auch Kunden von der Firma Kran-Hag übernehmen zu können, was uns gelungen ist. Man darf zum heutigen Zeitpunkt sagen, dass wir dank dem mittlerweile sehr gut etablierten Team aus Biel dasselbe Portfolio von Kompetenzen anbieten können, wie auch von Elgg aus. Und falls die natürlich kleineren Kapazitäten aus Biel nicht ausreichen und der Termin nicht verschoben werden können, verstärken wir von Elgg aus.

Wie gross ist der Anteil an internationalen Aufträgen und arbeiten Sie im Ausland auch mit einheimischen Partnern zusammen?
Auch diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wir hatten letztes Jahr einen sehr grossen Auftrag mit verschiedenen Teilprojekten und Einsätzen in Österreich bei einem Stammkunden, welcher unser Ausland-Verhältnis auf zirka 20 bis 30 Prozent ansteigen liess. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu mehrtägigen bis mehrwöchigen Ausland-Einsätzen.

Inwiefern profitiert Bauberger AG von den Leistungen und dem Netzwerk des Mutterhauses Knecht Holding AG und insbesondere der ebenfalls zur Holding gehörenden Welti-Furrer Pneukran & Spezialtransporte AG? Wie grenzen sich ihre Dienstleistungen ab?
Da wir dieses Jahr unser 50-jähriges Bestehen feiern dürfen – mit einem Tag der offenen Türe am 14. September 2024 – bestanden schon viele Beziehungen mit Partnern schon vor der Übernahme durch die Knecht Holding AG, welche auch weiterhin bestehen. Natürlich wurde das Netzwerk auch innerhalb der Holding verfeinert und ausgebaut und es wächst auch kontinuierlich durch die Akquisition in den vergangenen Jahren. Bestehende Geschäftsbeziehungen, welche gut funktionieren, bricht man nicht einfach ab.
Mit der Welti-Furrer Pneukran & Spezialtransporte pflegen wir ansonsten einen sehr freundschaftlichen Austausch. Zudem hat mein Vorgänger und ehemalige Geschäftsführer, Marcel Bach, bei der Welti-Furrer Pneukran die Geschicke als CEO übernommen, was den Austausch zusätzlich fördert.

Herr Ammann, herzlichen Dank für Ihre Ausführungen und viel Erfolg im Jetzt und in der Zukunft!

INFOS | KONTAKT
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St. Gallerstrasse 19
CH-8353 Elgg
T +41 (0)52 368 60 60
www.bauberger.ch
info@bauberger.ch

April

wire, Düsseldorf

Internationale Fachmesse für Draht und Kabel
15. bis 19. April
www.wire.de

Tube, Düsseldorf

Internationale Rohr-Fachmesse
15. bis 19. April
www.tube.de

Siams, Moutier

Der Treffpunkt der Mikrotechniken. Fachmesse für Automation, Werkzeugmaschinen und Zulieferung
16. bis 19. April
www.siams.ch

HANNOVER MESSE, Hannover

Weltleitmesse der Industrie mit dem Leitthema «Energizing a Sustainable Industry»
22. bis 26. April
www.hannovermesse.de

Intertool, Wels

Österreichs Fachmesse für Fertigungstechnik
23. bis 26. April
www.intertool.at