2K-Werkzeug für fischer Dübel der Duopower-Reihe mit 48 Kavitäten mit Würfeltechnologie. Der in der Mitte untergebrachte Würfel öffnet sich nach dem Zyklus, dreht um 90°, das Werkzeug schliesst sich, die zweite Komponente wird gespritzt, das Werkzeug öffnet sich wieder, dreht sich um 90° und die Einheit wird ausgestossen.

Ausgabe 05 | 2021

Prozess problemlos in die Nacht laufen lassen

MOLDINO Tool Engineering Europe GmbH

 

Die im Rahmen der fischer-Gruppe eigenständig agierende fischer Werkzeug- und Formenbau GmbH setzt stark auf Automatisierung, auch bei der Hartbearbeitung. Um einen störungsfreien Mannlosbetrieb sicherzustellen, wurden gemeinsam mit MOLDINO Tool Engineering Europe GmbH die Fräsprozesse analysiert und optimiert. Fazit: Längere Werkzeugstandzeiten, schnellere Bearbeitung, gesunkene Fertigungskosten – und absolute Prozesssicherheit.
Wir bedienen mit unseren insgesamt 117 Mitarbeitern sowohl die gesamte fischer-Gruppe als auch externe Kunden mit Neuanfertigungen und Reparaturen, erklärt Bernd Ströhlein, Bereichsleiter Werkzeugbau. «Hier am Standort in Horb bauen wir überwiegend hochkavitätige Präzisionsspritzgusswerkzeuge für die Befestigungstechnik und den Automotivbereich, ausserdem Silikonkartuschenwerkzeuge für die Chemie-Befestigungstechnik.»
Darüber hinaus werden Stanzbiegewerkzeuge für die Schwerlastbefestigungstechnik produziert. Zu den wichtigsten Fertigungsverfahren zählt bei fischer das Fräsen. Dabei wird ebenso wie beim Erodieren konsequent auf Automatisierung gesetzt. So versucht man in D-72160 Horb, alle Teile, die lange Laufzeiten haben, in der automatisierten, gut 16 m langen Fertigungszelle herzustellen. Dies setzt aber voraus, dass die Fräsbearbeitung absolut prozesssicher abläuft. Seit der Zusammenarbeit mit MOLDINO Tool Engineering hat fischer auf diesem Gebiet nochmal einen grossen Schritt nach vorne gemacht. In diesem Rahmen wurden die Fräsprozesse anhand zweier konkreter Bauteile neu entwickelt.

Für den Fräsbereich entwickeltes Optimierungskonzept
Die Erfahrungen mit dem japanischen Werkzeughersteller sind durchweg positiv. Zum Beispiel bei der Hartbearbeitung von Nuten in tief liegenden Kavitäten. Hier hatte fischer bei den Induk­tionswerkzeugen immer wieder das Problem, dass es beim Fräsen dieser Nut, die später die Litze zur induktiven Erwärmung der Form aufnimmt, sporadisch zu Werkzeugbrüchen kam.
Wichtig beim Fräsen dieser Nut ist, dass die Litze, die das Magnetfeld erzeugt, nicht zu viel Luft haben darf, aber eben auch nicht zu wenig. Solche Indumold-Werkzeuge zählen zu den Spezialitäten von fischer Werkzeugbau und erzielen in der Kombination aus Spritzguss und Reaktionstechnologie besonders hochwertige Oberflächen. In diesem Fall handelte es sich um ein 1K-Werkzeug mit vier Kavitäten für die Herstellung von Lüftungselementen im Autoinnenraum.
Der Prozessoptimierer von MOLDINO Tool Engineering ging nach dem speziell für den Fräsbereich entwickelten Optimierungskonzept «Production 50» vor. Er machte eine Ist-Analyse, bei der auch die Bauteilgeometrien untersucht wurden. Zunächst gab es die Schwierigkeit, das auf 52 bis 56 HRC vorgehärtete 1.2343 ADG (X38CrMoV5-1) in der tiefen Kavität zu zerspanen, was lange Werkzeuge erfordert. Es musste sowohl geschruppt als auch auf Endmass fertiggeschlichtet werden.
Die bisherigen Erfahrungen hatten gezeigt, dass ab einer Werkzeuglänge von 40 mm sowohl bei den hier bislang ver­wendeten 4-mm-Torusfräsern als auch beim Kugelfräser mit demselben Durchmesser Werkzeugbrüche auftraten. Daher wurden verschiedene Versuche mit ausgesuchten Fräsertypen durchgeführt. Dabei ist auch die Nut­geometrie geprüft worden und zusammen mit Mitarbeitern aus der Werkzeugkonstruktion wurden kleinere Änderungen vorgenommen, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. So ist zum Beispiel der Winkel der Nut etwas verändert worden, um so den Fräsprozess zu stabilisieren. Bei der verwendeten 3-Achs-Strategie hat man sich auf möglichst weiche Werkzeugwege, Radien sowie weiche An- und Abfahrbewegungen fokussiert. Ausserdem wurde das NC-Programm so ­dynamisch ausgelegt, dass die Maschine stets auf die gewünschten Vorschubwerte kommt.
Werkzeugkosten um rund zwei Drittel reduziert Und dann waren da noch die ETRP-4030-50-0908-TH von MOLDINO Tool Engineering, 3-mm-Torusfräser mit einer TH Beschichtung aus der EPOCH 21 Serie, die sich als echtes Highlight herausstellten. Denn sie liessen alle anderen Testkandidaten in Sachen Bearbeitungsgeschwindigkeit und Standzeit weit hinter sich. Mit den 3-mm-ETRP-Fräsern konnte sogar bei 50 mm Freilänge – dem längsten Werkzeug – die Litzennut absolut prozesssicher geschruppt und geschlichtet werden. Und dies teilweise mit einem Vorschubwert von 1200 mm/min ohne einen einzigen Werkzeugbruch. An Geschwindigkeit konnte man ebenfalls deutlich zulegen – bisher benötigte man in Horb für die Kavität der Litze pro Einsatz 14,5 Std., nun wurde es in zehn Stunden gefräst. Auch die im Zuge des Konzepts Production50 vorgenommene Wirtschaftlichkeitsberechnung überzeugte vollends: Da die Werkzeuge nun deutlich länger durchhalten, haben sich beim Fräsen der Litzenkavität alleine die Werkzeugkosten um rund zwei Drittel reduziert. Hinzu kommen die eingesparten Maschinenstunden durch die um 30 Prozent kürzere Bearbeitungszeit. Auch bei der Düsenfertigung haben sich wirtschaftliche Vorteile ergeben – mit MOLDINO Tool Engineering konnten 24 Düsensitze mit einem Fräser gefräst werden. Das Werkzeug war dann sogar noch benutzbar, allerdings nicht mehr zum Feinschichten enger Toleranzen. Vorher war es dagegen so, dass ein Werkzeug manchmal sechs Leisten gehalten hatte – oder vielleicht nur eine. Weder der Fräsprozess noch das Verschleissverhalten waren reproduzierbar. «Dank der zusammen mit MOLDINO Tool Engineering neu entwickelten und gut dokumentierten Prozesse können wir jetzt sowohl die Litzenkavitäten als auch die Düsensitze prozesssicher und somit mannlos automatisiert fräsen», zeigt sich Bernd Ströhlein sehr zufrieden. «Und zwar auch auf verschiedenen Maschinen, was für uns besonders wichtig ist.»

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